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Highline in Norddeutschland - Südlicher Ith - Lürdissen

Wie baut man eine Highline, Technik, Equipment?

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Highline in Norddeutschland - Südlicher Ith - Lürdissen

Postby Chris » 10.06.2007, 12:46

Moinsen,

gestern war es so weit. Habe meine erste Highline aufgebaut und für mich war es der totale Wahnsinn!!! Nach etlichen Suchaktionen im Norden u.a. im Harz u. im Ith habe ich im Weserbergland, genauer im südlichen Ith (Lürdissen) 2 mögliche Highlinespots ausfindig gemacht. Ein Spot wartet noch als Projekt, da an den dortigen Felsen zur Zeit der UHU brütet und ich mich erst mal selbst im Highlinen finden muss!
Ich habe mir immer vorgestellt, dass Highlinen einen enormen psychischen Druck bei mir auslöst, aber das es so heftig ist!!! Die Line am Mauselochturm - Mauerhakenturm ist ca. 12 Meter lang, eine Distanz, die ich im Park ohne Probleme mehrmals hin und her laufe. Aber wenn das Teil auf einmal in 8 Meter Höhe hängt ist es für mich eine wahnsinns Herausforderung!

Vor allem hat mir der Aufbau auch einiges abverlangt, da ich den einen Felskopf nicht betreten durfte aus naturschutzrechtlichen Gründen und der andere Kopf auch nur über die Kletterrouten begehbar war. Um die Highline am Mauselochturm einrichten muss man ne 6+ hochkrallen (Vorsicht, der 1. BH befindet sich schon in respektabler Höhe, wie an den meisten Touren im Ith), will man direkt hoch auf den Mauerhakenturm muss man die Tour Denunziantenweg 7- hoch, ist kurz u. knackig u. geht ganz gut, wers etw. leichter möchte geht ne 4+ clean hoch o. an der rechten Seite ne 6+. Insgesamt hat der komplette Aufbau bei 30 Grad dann 3,5 Stunden gedauert u. mich echt schon geschafft. Motiviert war ich trotzdem voll!!!

Nach einer kurzen Pause, bin ich dann hoch zum Start am Mauerhakenturm! Tja, dann fings erst mal an! Aufstehen, hinsetzen, aufstehen, hinsetzten, erste Sturzversuche in die Line aus hängender Position, aus sitzender Position, aus dem Stehen... usw.
Nach mehreren wahnsinns wilden Abgängen habe ich es am Ende geschafft gerade mal 5 Schritte auf der Line zu gehen. Am Ende könnte ich mich nicht mehr weiter überwinden, überhaupt irgendwie weiter zu machen, der Kopf war leer die Konzentration am absoluten Ende!!! Die Stürze in die Highline sollte man nicht unterschätzen, ich bin öfters wild hin und her gependelt und habe am Anfang auch einen Helm benutzt um mir den Kopf nicht am Fels anzuschlagen (gab mir pers. ein wenig mehr Ruhe!).

Wieder zuhause angelangt werde ich erst mal die Eindrücke und Erlebnisse sacken lassen! Es war ein total genialer Tag an dem ich echt an meine Grenze gekommen bin. Ich freue mich auf weitere Versuche. Doch was werde ich nächstes Mal anders machen????

Ich denke wichtig ist, dass man sich für den Aufbau wirklich genügend Zeit lässt, alles ruhig angeht und genügend Pausen dazwischen macht, damit sich die innere Anspannung etwas abbaut. Wenn ich das nächste Mal dort ne Highline spanne werde ich wohl erst mal für 2 - 3 Stunden was komplett anderes machen um mich zu entspannen und dann erst auf die Line gehen. Ev. hilfts auch irgendwo ne Line zum warm machen aufzuspannen!
Nächstes Mal würde ich denke ich auch lieber mit mehr Leuten hinfahren, die auch Linen und Bock haben einen Highline auszuprobieren! Das Motiviert dann mehr! Toll fand ichs auch, wenn mich ein paar Leuts die auch zugeschaut haben motiviert haben und mich beim Gehen unterstützt haben. Dafür noch mal meinen herzlichen Dank! Ihr wart klasse!
Im Kopf werde ich wohl nächstes Mal mehr loslassen müssen. Die Angst war doch bei mir extrem präsent! Nach einem kleinen Gespräch mit Mariella gings dann aber doch besser, als sie meinte wie ich die Line denn im Park gehen würde. Meine Antwort:" Ich mach das einfach!!!". Tja, da war der Schalter dann umgelegt und ich hab wenigstens mal 5 Schritte geschafft.
Das Redundanzseil werde ich nächstes Mal auch etwas lockerer lassen, da es sich doch nicht zu sehr gedeht hat und sich etwas durch das Schlauchband gedrückt hat. Beim Gehen habe ich die Rundung des Seils zu sehr gemerkt.

Hier die wichtigsten Daten zur Highline:

Ort: Weserbergland südlicher Ith in Lürdissen (im Kletterführer „Klettern im Norden“ S. 250 bis S. 296, oder http://www.kletternimnorden.de/routen/routen.php und bei Lürdissen nachschauen)
Felsen: Mauselochturm - Mauerhakenturm (im Kletterführer „Klettern im Norden“ S. 262 u. S. 263, oder http://www.kletternimnorden.de/routen/routen.php bei Lürdissen Felsen Nr. 6 u. Nr. 7)
Länge: 12 Meter
Höhe: minimale Höhe 7,30 Meter / maximale Höhe 8 Meter
Verlauf: Fixpunkte befinden sich auf ungefähr gleicher Höhe

AUFBAU:

Befestigungspunkte am Mauselochturm (Achtung: Felskopf gesperrt!):

1. Umlenker der Route „Rechte Talseite“ 7- (für das Redundanzseil)
2. Umlenker der Route „Rechte Kante 6+“ (für die Highline)
Abstand 1. zu 2.: 1,30 Meter
3. Umlenker der Route „Gerade SO-Kante 6“ (für die Highline)

Befestigungspunkte am Mauerhakenturm (Felskopf frei begehbar!):

1. Bohrhaken der Route „Scherzkeks 7+ / 8-„ (links neben dem Denunziantenweg)
Abstand 1. zu 2.: 2 Meter (für die Highline)
(VORSICHT: Beim Linen ist der BH verbogen, so dass wir den Fixpunkt, dann noch mal an einem Baum hintersichert haben. Ich denke es ist besser den Baum und den BH der Tour Denunziantenweg für die Line zu nutzen und den Umlenker hinter dem Baum für das Redundanzseil. Dann ist der Verlauf der Line zwar etw. schräg, aber die Sicherungspunkte umso besser!)
ALSO: lieber 1. Baum auf dem Felskopf!!!! (für die Highline)
2. Bohrhaken der Route „Denunziantenweg 7-„ (für die Highline)
3. Umlenker der Route „Schartenriss 4+“ (für das Redundanzseil)

Weitere Details zur Highline Diskussion im Norden:

http://kletternimnorden.de/forum/thread ... a3d7c41d16

Video: Die ersten Versuche, sowie der Ablauf des Aufbaus werden wohl in ein paar Wochen auf www.sturzfrei.de zu sehen sein. Noch mal herzlichen Dank an Christian und Mariella fürs Filmen!!!!

Hier noch ein paar Bilder:
Attachments
P1050735.JPG
Aufbau am Mauselochturm
P1050745.JPG
Sicht auf Mauerhakenturm
P1050762.JPG
Redundanzseil antapen 3
P1050784.JPG
Ruhe vor dem Sturm
P1050785.JPG
Abgang
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Re: Highline in Norddeutschland - Südlicher Ith - Lürdissen

Postby köbes » 10.06.2007, 13:35

Servus Christian!
Erstmal Glückwunsch zur ersten Highline - gegangen oder nicht - finde ich nicht so wichtig
Deine Eindrücke kann ich zu 100% bestätigen!
Entscheident für die Begehung ist, meiner Meinung nach, die Fähigkeit sich zu 100% auf die bevorstehende Aufgabe zu konzentrieren. Das macht jeder auf seine Art. Lange Pausen vor dem Versuch sind bestimmt eine Möglichkeit. Mein Kollege der Rasta Fabi hat mit regelmässigem Yoga wahre Wunder bewirkt.
Ich meine inzwischen, dass die Fähigkeit die Line zu fangen anstatt reinzustürzen das Ganze entscheident erleichtert. Die Angst vor dem (evtl. unkontrollierten) Sturz macht einen extrem nervös, und das sich immer wieder auf die Leine hochwurschteln kostet extrem viel Kraft.
Die Line fangen ist vielleicht manchmal schmerzhaft, das sind aber Stürze auch wie ich selbst erfahren durfte.
Wie auch immer - viel Spass bei deinem nächsten Projekt!

greetz

Thomas
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Re: Fangen der Line

Postby Chris » 10.06.2007, 16:19

Hi Thomas,

möchte dir an dieser Stelle auch gleich meinen Respekt zollen! Kann jetzt ein bisschen nachvollziehen, was ihr da an der Roßsteinnadel und an anderen Spots gemacht habt. Die Eindrücke sind immer noch sehr lebhaft!

Möchte mich deiner Beschreibung anschließen. Die Konzentration scheint gerade bei der Highline der Punkt zu sein. Irgendwie hatte ich das Gefühl ständig ein inneres Gleichgewicht zwischen meiner Angst und meinen Fähigkeiten zu halten. Als ich die ersten paar Schritte auf der Line gemacht habe war mir das Gefühl auf der Line zu stehen total vertraut. Mir fiel es nur unheimlich schwer, in diesem vertrauten Gefühl auf der Line zu bleiben. Oft trat mir wie von selbst immer wieder ein beklemmendes Gefühl der Angst ins Bewusstsein. Das ganze war gar nicht begleitet von irgendwelchen Bildern, wie z.B. Absturzszenarios o.ä., sondern vom Gefühl her war es eher so als ob die Konzentration abreist und die Angst bzw. Dysbalance aus der kleinen Box ausbricht, welches dann unvermeidlich zum Sturz geführt hat. Als ich die ersten Schritte auf der Line gewagt habe hat sich sogar meine Atmung geändert. An einem Punkt hatte ich sogar das Gefühl gar nicht mehr wahrzunehmen zu atmen und musste mich echt total drauf konzentrieren!
Ich denke es hat auch unheimlich damit zu tun, wie ausgeglichen man an die Sache ran geht!
Ich war schon ein paar Tage zuvor total aufgeregt, als ich einen Tag vor der Highline noch mal im Park zum Linen war bekam ich eine Gänsehaut alleine bei der Vorstellung!

Nach diesen Erlebnissen und der Erfahrung kann ich auch nur Staunen, wie z.B. Dean Potter und andere eine Highline free solo begehen. Das Maß an mentaler Leistung bei der Sache ist fast schon unvorstellbar für mich!
Hoffe das weitere Highlineversuche damit verbunden sind gerade diese Fähigkeit der inneren Balance und Konzentration zu fördern!

Theoretisch würde ich sagen, dass mir der erste Highlineversuch am 09.06. geholfen hat mich mehr ins Highlinen hineinzufühlen. So weiss ich was mich nächstes Mal erwartet. Ich hoffe, ich werde also davor nicht mehr so mega aufgedreht an die Sache rangehen.

Da die kleine Reise in den Ith auch immer mit einem etw. größeren Aufwand verbunden ist, werde ich mir hier in Hannover im Park wohl noch zum Training ein paar schöne Bäume suchen.

Nach den unangenehmen Stürzen in die Line kann ich mir allerdings noch nicht so richtig vorstellen die Line zu fangen! Heinz Zak u.a. haben ja im slackline.tk Forum zu dem Thema einige interessante Beiträge geschrieben. Werde mir das noch mal zu Gemüte führe müssen!

Dir Thomas u. euch weiterhin alles Gute,

Chris
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Re: Highline in Norddeutschland - Südlicher Ith - Lürdissen

Postby köbes » 11.06.2007, 09:22

Servus nochmal!

Mir hat bei allen Highlines unheimlich geholfen, wenn ich mich auf den Bewegungsablauf des Laufens konzentriert habe.
In einem alten Klettermagazin war mal der Bericht vom Kurt Albert von einer Solobegehung einer 8er Route in der Fränkischen. Er hat jeden Kletterzug vorher aufgeschrieben - Punkt für Punkt - und dann dieses Programm bei der Freesolobegehung abgespult.
Auch beim Slacken gibt es meiner Meinung nach einen Bewegungsablauf!
Für mich am wichtigsten: Druck auf den Fußballen - Knie etwas vorschieben - und am wichtigsten! - z.B. rechter Fuß vorne/linke Hand bzw. Schulter hoch und dann umgekehrt.

Wenn du dann bei der Begehung den ersten Fuß auf die Line setzt (z.B rechter Fuß) muss im Hirn sofort kommen - linke Hand hoch/druck nach vorne. Dann linker Fuß/rechte Hand hoch usw.

Wenn du dieses "Programm" durchziehst kommst du nicht auf "dumme" Gedanken :wink:

Probiers einfach am Boden mal aus!

Tschüssle

Thomas
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verbogener Bohrhaken

Postby Chris » 11.06.2007, 18:29

Nach einigen Klärungen bezüglich des verbogenen Bohrhakens wird der Highlinespot für mögliche Wiederholungen eine Zeit ruhig gestellt werden müssen.
Die Gebietsbetreuung war aber so freundlich in kommender Zeit eine Gebietsbegehung mit mir durchzuführen um weitere Spots auf sicherheitsrelevante Details zu prüfen.
Weitere Informationen werden dann an dieser Stelle weitergeleitet.

Gruß,
der Christian
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Re: Highline in Norddeutschland - Südlicher Ith - Lürdissen

Postby smd » 11.06.2007, 22:07

heieiei da haste aber mal eindrucksvoll gezeigt welche kräfte da wirken! hab mir das bei kletternimnorden mal alles durchgelesen - ging ja heiß zur sache...

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Re: Highline in Norddeutschland - Südlicher Ith - Lürdissen

Postby Chris » 11.06.2007, 22:28

... kannst du wohl sagen!

Habe noch ein paar Bilder bekommen!
Attachments
IMGA0885.JPG
Spannsystem - Flaschenzug und Ratsche
IMGA0892.JPG
Redundanzseil wird unter die Line getaped
IMGA0912.JPG
first steps
IMGA0915.JPG
ein paar Schritte mehr
IMGA0916.JPG
Schaukelpartie
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