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Powerpull aka Kapitalistenflaschenzug

Wie spannt man am entspanntesten eine Line?

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Beiträge insgesamt: 12772 • Seite 2 von 13 • 1, 2, 3, 4, 5 ... 13

Re: Powerpull aka Kapitalistenflaschenzug

Beitragvon seflue » 27.12.2009, 22:07

slace hat geschrieben:Jop, mit dem seperatem Spannsystem hast du recht. Vom Aufbauaufwand bis zur "Grigri-Maximallänge" dürfte es dennoch die einfachste methode sein?

Was meinst du damit?

Was verwendest du für ein Entlastungssystem? Zwei Achter mit Reepschnur dürften bei solchen Längen auch schon Hart an der Grenze sein. Ich vermute Deltas sind ideal?


Nee, Reepschnur ist eigentlich auch schon veraltet. Das beste System ist ein invers gewickelter Bandflaschenzug aus 'ner alten Slackline, gewickelt zwischen zwei Schäkeln. Ich hab das Ding mithilfe meines Equipments insofern aufgebohrt, daß die Bandlagen nicht direkt am inneren Fixpunkt des Bandes umgelenkt werden. In den Umlenkpunkten wird beim Entlasten viel Reibung erzeugt - wenn dieser aus Band besteht, was sich nicht bewegt, ist das supoptimal, wegen Schmelzverbrennung. Ich werde dazu in nächster Zeit mal einen Technik-Beitrag in meinem Blog verfassen, da gehe ich dann detaillierter auf die Problematik ein.

Mit dem Hinsetzten, das ist so eine Sache. Ich persönlich finde schon das für einen Weltrekord das Band in einem Zug durchgegangen werden muss.


Meine Rede.

Meine Bestmarke liegt bei ca. 80m. Damit bin ich vorerst eigentlich ganz zufrieden, wenn man bedenkt, dass ich erst im Frühjahr angefangen habe.
Momentan fehlt leider noch das Equipment um eine wöchentliche Longlinesession zu machen^^ Bis jetzt war es nur möglich, wenn der Bertl vorbeigeschaut hat. An dieser Stelle vielen Dank :) Longline spannen mit einem Audi S4 hat auch was :lol:


Ich persönlich würde vom Spannen mit dem Auto abraten. Du hast die Kräfte einfach nicht genau unter Kontrolle. Genauer gesagt fehlt dir das Gefühl dafür. Dazu kommen noch wesentlich größere Beschleunigungskräfte im System, als du sie von Hand erzeugen kannst. Wiegesagt, ich wäre da vorsichtig.
Btw: Im Winter komme ich auch nicht jede Woche zu 'ner Longline. ;)

@Seflue: Du hast ja wieder einen neuen Eintrag auf deinem Blog veröffentlicht. Iche würde gerne wissen, was du da für Rollen im Spannsystem hast, die kenne ich gar nicht.


Die teuersten und besten natürlich! Kein Scherz, die Dinger heißen Faders Atlas Duo und kosten knapp 140€ das Stück. Kannst du bei den Landcruisern beziehen. Frag einfach mal Stefan per Mail danach. Wenn du nicht ganz soviel Geld ausgeben willst, tun es auch die kugelgelagerten von Singing Rock - kriegst du auch bei Stefan und Damian. Von den schleifgelagerten Rollen rate ich ab. Ich hab meine Erfahrungen damit gemacht und weiß, daß die kugelgelagerten den üppigen Aufpreis locker wert sind - zumindest wenn man oft Longlines spannen will und auch mal deutlich über die 100m-Marke hinauskommen möchte.

Steigklemme und Einfachrolle hast du dann wieder ausgebaut, um Gewicht zu sparen, oder?


Um ehrlich zu sein, nein. Das Foto entstand kurz vorm Abbau, ich hatte die Potenzzüge (zum Spannen hab ich zwei gebraucht) schon ausgebaut. "Lehrmeinung" ist, Potenzzüge ausbauen und Flaschenzug hintersichern. Beim Highlinen mach ich das auch. Beim Longlinen kenn ich mein System und die dahinterstehenden Spannungen bereits so gut, daß ich häufig zu faul bin, die Bude zu hintersichern. Bei sehr großen Längen (und damit hohen Spannungen) würde ich trotzdem dazu raten.

Anstatt einer Steigklemme kann man ja auch einen Selbstklemmenden Knoten ala Prusik verwenden. Sind die Vorteile einer Steigklemme so groß, dass der Mehraufwand von ca. 30€ lohnt? Bei einer Steigklemme habe ich die Befürchtung, dass das Seil mit der Zeit extrem leidet. Der Knoten andererseits könnte beim Spannen leichter nachrutschen.


Steigklemme ist einfach bequem und beschleunigt das ganze etwas. Viel wichtiger ist allerdings die Handsteigklemme zum ziehen. Prinzipiell gilt: Wenn die Finanzen mehr einschränken als kleinere Komfort-Einbußen, dann läßt sich das alles mit billigen Reepschnüren machen. Vom Prusikknoten würd ich abraten, der ist so schlecht zu verschieben. Klemmheistknoten ist besser. Ich habe meine Flaschenzugpotenzen ein Jahr lang mit Reepschnüren gebaut und das ging in Ordnung. Als Ziehhilfe kann man eine Affenfaust nehmen, die man mithilfe von Karabiner und Ankerstich am Seil festmacht. Seil mit der bloßen Hand ziehen ist unangenehm und ermöglicht einem nicht die maximale Kraft. Hand- und Bruststeigklemme sind wiegesagt de luxe. Für letzteres tut es notfalls auch ein Tibloc. Auch zum Befestigen der Affenfaust ist es besser als der Ankerstich (da es sich schneller versetzen läßt).
Kurz: Klemmheistknoten und Affenfaust mit Ankerstich => Holzklasse, Tibloc und Affenfaust mit Tibloc => schon etwas komfortabler, aber auch schon deutlich teurer (ein Tibloc kostet ca. 17€), De Luxe => Brust- und Handsteigklemme (kosten jeweils ca. 30 bzw. 40€). Zwischenvarianten sind denkbar.
Wenn ich eine Anschaffungsreihenfolge vorgeben wollte: als erstes ein Tibloc, das zum Verbinden der Affenfaust nehmen. Als zweites 'ne Handsteigklemme, Tibloc wird in die Potenz verbannt. Als drittes erst die Bruststeigklemme, das Tibloc kann man in Zukunft für die zweite Potenz verwenden (die man bei langen Leinen und alleine spannen definitiv irgendwann braucht).

Fragen über Fragen :wink:


Hoffe, ein wenig geholfen haben zu können.
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Re: Powerpull aka Kapitalistenflaschenzug

Beitragvon slace » 28.12.2009, 13:39

Dass der Powerpull, die einfachste Möglichkeit ist, lines bis max. 140m zu spannen.

Mmmh, darauf bin ich gespannt! Ich hätte nicht vermutet, dass ein Selbstklemmender FZ dafür tauglich ist, ok du hast deinen modifiziert :D

Das mit dem Audi war eine reine just for fun Aktion, die wir dann auch abgebrochen haben, weil es einfach, wie du schon gesagt hast, zu gefährlich ist. Ein paar Rollen gingen dann genauso gut.


ääh ja, 140€ puuh! Kugelgelagerte sollens auf jeden Fall werden. Rein theoretisch sollte man auch die Tandemrollen verwenden können, an die könnte ich besonders günstig rankommen.

Ah, oke. Hintersichern ist Pflicht, ist klar.


Der gute alte Klemmheist, den hatte ich schon wieder vergessen. Stimmt, der ist definitiv optimaler als der Prusik.
Anfangs reichen mir voraussichtlich die Reepschnüre. Im laufe des nächsten Jahres, wird sich das Kletterequipment wahrscheinlich sowieso um Steigklemmen erweitern ;)
Vielleicht finde ich in den Bergen von Material auch meinen alten Tibloc wieder.

Vielen, vielen Dank! Du hast mir mit deiner Mühe sehr viel geholfen :)
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Re: Powerpull aka Kapitalistenflaschenzug

Beitragvon seflue » 28.12.2009, 14:02

slace hat geschrieben:Dass der Powerpull, die einfachste Möglichkeit ist, lines bis max. 140m zu spannen.

Und darüber hinaus. Landcruising hat damit 200m gespannt, auf dem Slackfest haben wir damit 180m aufgebaut. Allerdings mit einem Doppelrollenpaar mehr. Also 9:1 Powerpull.

Mmmh, darauf bin ich gespannt! Ich hätte nicht vermutet, dass ein Selbstklemmender FZ dafür tauglich ist, ok du hast deinen modifiziert :D


Es ist kein selbstklemmender Flaschenzug. Da er invers gewickelt ist, klemmt er nicht von selbst. Man verwendet aber einfach soviele Umwicklungen, das durch die hohe theoretische Übersetzung die Reibungskräfte im wesentlichen ausreichen, um das Ding zusammenzuhalten. Noch 1-2 Schleifknoten drauf und gut ist. Für 130m haben bei mir 6 Umwicklungen gereicht, daß es erst nach dem Lösen den Schleifknoten ganz langsam zu rutschen anfing. Erfunden habe ich das nicht, Matthias Helm hat dazu schon vor einiger Zeit ein Post ins Ösi-Forum gestellt, inkl. Bilder.
Meine Modifikation ist nur eine kleine Optimierung um Schmelzverbrennung am Fixpunkt des Bandes zu vermeiden.

ääh ja, 140€ puuh! Kugelgelagerte sollens auf jeden Fall werden. Rein theoretisch sollte man auch die Tandemrollen verwenden können, an die könnte ich besonders günstig rankommen.


Die Tandemrollen haben aber gerade mal 24kN Bruchlast und 10kN Arbeitslast. Das ist in meinen Augen für Longlines über 100m zu wenig. Und für unter 100m tuns auch die schleifgelagerten und kosten dabei deutlich weniger (bei höheren Bruchlasten). Wiegesagt, Faders Atlas Duo sind die besten, die man kaufen kann. Gibts in Amiland baugleich unter dem Namen SMC für deutlich weniger Geld - mit Shipping und Tax dann unterm Strich aber auch nicht billiger. Wer sich die nicht leisten möchte, fährt auch mit Singing Rock für 90€ das Stück ganz gut.

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Re: Powerpull aka Kapitalistenflaschenzug

Beitragvon seflue » 29.12.2009, 01:53

Hier nun wie versprochen der Tech-Post zur Entlastungskonstruktion: http://linelog.blogspot.com/2009/12/ent ... roten.html
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Re: Powerpull aka Kapitalistenflaschenzug

Beitragvon slace » 29.12.2009, 11:13

Aaah, jetzt weiß ich wie das gemeint war :).
Ist ja eine tolle Methode! Vorerst brauche ich die aber (noch) nicht :wink:

Ich frage mich andauernd, warum so viele Leute das white magic haben, das nova magic in rot ist doch vieeel schöner :D und schaut nicht so schnell schmudelig aus.
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Re: Powerpull aka Kapitalistenflaschenzug

Beitragvon Fluid Flo » 29.12.2009, 13:31

Moin!

Ja, sieht echt entspannt aus wie Du das Band mit nur einer Hand entspannst. Habe gerade auch überlegt, ob ich so 'ne Technik irgendwo gebrauchen kann. Ich bin von über 100m noch weit entfernt und bisher wegen mangelnder Ausrüstung nur 35m gelaufen. Ich vermute aber, dass ich auch mit toller Ausrüstung (erstmal) nicht viel mehr schaffen würde. (Da kann der Bauer nicht schwimmen und ausnahmsweise ist mal nicht die Badehose schuld.)

Ich habe aber gerade überlegt, ob man ein Entlastungssystem auch schon bei geringen Längen (35m?) verwenden könnte, um die Ratsche zu schonen. Ich glaube (irgendwo im Forum) gelesen zu haben, dass die Ratsche vor allem beim Entspannen der Line leidet (Abrieb der Zähne)?! Fändet ihr sowas sinnvoll? Naja, wahrscheinlich kostet ein Entlastungssystem ca. soviel wie 'ne neue Ratsche (wenn die Alte mal verschlissen ist), also wahrscheinlich nicht sinnvoll, man macht sich nur das Spannen der Line komplizierter, oder?

Außerdem wollte ich nochmal fragen, was die Nachteile des Bauernflaschenzugs im Gegensatz zu dem Bandflaschenzugs zum Entspannen sind.

Grüße,
Flo
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Re: Powerpull aka Kapitalistenflaschenzug

Beitragvon seflue » 29.12.2009, 17:22

Vorteile des Bandflaschenzuges im Vergleich zur Entlastung mit Reepschnur:
1. Material: Für letzteres brauchst du extra 'ne lange Reepschnur, für den Bandflaschenzug greifst du einfach in die Gear-Kiste und nimmst 'ne alte Slackline. Da die Einzelstränge nicht viel Last zu tragen haben, kann die schon ordentlich verschlissen sein.
Die Lastöse stellt ja nur 'ne Variante dar, sowas zu bauen. Mit dem langen Kettenglied, wie Harry das gemacht hat (siehe Link im Blog) find ich auch 'ne ziemlich geniale Idee, leider fehlt mir das Kettenglied, um es zu testen.
Letztlich ist es aber auch in seiner Reinform aus nur aus zwei Schäkeln immer noch besser als mit Reepschnur. Wenn man es ganz langsam abläßt, sind die Probleme mit der Schmelzverbrennung nicht so gravierend.
Und da es eh ein altes Band ist, kann man, sollte die Stelle dann wirklich mal zu schwach sein, ein paar Zentimeter abschneiden und das Band an 'ner neuen Stelle fixieren. Es ist sozusagen das Endstadium einer Slackline, im Entlastungszug verbaut zu sein. ;)
2. Die Reibung im System ist viel höher. Was beim Spannen richtig nervig ist, ist beim Entspannen eine große Hilfe. Dadurch geht das Ablassen schön langsam und kontrolliert vonstatten.

Wozu ist ein Entlastungssystem noch gut: Naja, bei allen Leinen, die mit dem Ellington richtig hart angeknallt werden. D.h. Jumplines und jede Form von Longline, die mit dem Köbeszug gespannt wurde. Wiegesagt, extra Material brauchst du nicht, 'ne alte Slackline tut es ohne Probleme (eine neue tut es auch, aber auf der läuft man ja lieber, oder? ;) ). Na ok, den extra Schäkel, aber der sollte doch irgendwo aufzutreiben sein.

Ratsche schonen ... naja. Ich benutze kaum noch Ratschen. Bei Längen, wo die Ratsche noch brauchbar ist, hab ich auch keine Probleme über die Ratsche zu entlasten. Hin und wieder einen Tropfen Öl auf das Teil soll übrigens Wunder wirken.
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